HSU-Logo

Budapest entscheidet über den Ausstieg aus PPP

26.9.2011  BUDAPEST (owr/gtai)--Ungarns Regierung will in Kürze darüber entscheiden, welche Public-Private-Partnership-Verträge (PPP) aufgelöst werden sollen und in welchem Tempo dies geschehen soll. Das kündigte der Minister für Nationale Entwicklung, Tamás Fellegi, gegenüber dem Wirtschafts- und IT-Ausschuss des Parlaments an. Er bekräftigte, dass die Verträge für Autobahnen ein Sonderfall seien. Zunächst soll es um die rund 100 kleineren Verträge für Sportanlagen, Kultureinrichtungen,
Universitäten oder Gefängnisse gehen.

Fellegi betonte, dass die Auflösung von PPP-Verträgen weder zu einem höheren Haushaltsdefizit noch zu mehr Staatsschulden führen dürfe. Der im sogenannten Széll-Kálmán-Sparprogramm dafür angesetzte Betrag von 200 Mrd HUF (etwa 755,5 Mio EUR) soll den Ausgabenrahmen abstecken.

Regierung fühlt sich bei Autobahnprojekten benachteiligt

Die höchsten Kosten würde die Auflösung der komplexen PPP-Verträge für die Autobahnen M5 und M6 mit sich bringen. Hier geht die Regierung in Budapest inzwischen von einem Betrag von rund 800 Mrd HUF aus - eine Summe, die sie zumindest vorläufig nicht aufbringen kann. Partner in PPP-Autobahnprojekten hatten darauf hingewiesen, dass die Regierung bei ihren Berechnungen die laufenden Verpflichtungen der privaten Konsortien bei Wartung und Instandhaltung nicht berücksichtigt hätte. Fellegi hält allerdings weiter daran fest, dass diese Verträge den Staat übervorteilten und das Risiko allein auf ihn abwälzten.

An Streckenabschnitten der Autobahn M6, die von Budapest bis zur kroatischen Grenze führt, sind Bilfinger Berger sowie die österreichische Strabag maßgeblich beteiligt. Die M5 von Budapest nach Szeged wurde von einem Konsortium unter Leitung von Strabag als PPP-Projekt gebaut. Der Baukonzern ist inzwischen alleiniger Konzessionär für die M5. Nach Berechnungen der Regierung belasten die vereinbarten PPP für die vier Autobahnstrecken den Staatshaushalt jährlich mit über 100 Mrd HUF. Die drei Konzessionen für die M6 laufen 2030 beziehungsweise 2038 aus. Den Investoren wurde seinerzeit eine feste Verzinsung zugesichert. Eine geringe Auslastung der Autobahnen führt dabei automatisch zu höheren Zahlungen an die privaten Partner aus dem Staatshaushalt. Das Verkehrsaufkommen ist zu gering, um Bau und Folgekosten abdecken zu können. Für das gesamte Autobahnnetz kommen jährlich aus Vignettenverkäufen nur 50 Mrd HUF zusammen.

Auch Gefängnisse und Kulturstätten sollen abgestoßen werden

Außer für Autobahnen gibt es in Ungarn gegenwärtig 54 Universitäten und Schulen, die auf PPP basieren, ferner 42 Sportanlagen, 2 Gefängnisse, der Palast der Künste am Budapester Donau-Ufer sowie das Collegium Hungaricum in Berlin. Sie belasten den Staathaushalt jährlich mit rund 21 Mrd bis 24 Mrd HUF. Darin sind die Autobahnen noch nicht enthalten. Dabei fällt der Budapester Palast der Künste mit staatlichen Zuzahlungen von knapp 11 Mrd HUF pro Jahr aus dem Rahmen sowie die PPP der Bildungsinfrastruktur mit zusammen rund 6 Mrd HUF. Das Collegium Hungaricum in Berlin ist von den Plänen der Aufl ösung von PPP nicht betroffen, weil es deutschem Recht untersteht. Bereits Ende letzten Jahres hatte die Regierung einen Stopp für neue und geplante PPP-Verträge als Teil ihrer Aktionspläne verhängt. Einen Erlass der Vorgängerregierung für den Bau eines Hauptstadttheaters als PPP-Projekt
wurde zurückgenommen.