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Regierung prüft Privatisierung des Budapester Flughafens

15.8.2011 BUDAPEST (owr/gtai)--Der gesamte Privatisierungsvorgang für den Internationalen Flughafen Budapest wird von Ungarns Regierung überprüft. Dabei geht es unter anderem darum, ob die Investitionszusagen erfüllt worden sind. Mitte des laufenden Jahres hatte die Regierung ihren restlichen 25-prozentigen Anteil an ein Betreiberkonsortium abgetreten, das unter der Führung von Hochtief Airport steht. Die Überprüfung konnte die Pläne des deutschen Bauunternehmens verzögern seinen Anteil von knapp 50% zu verkaufen.

Bis Jahresende will eine Kontrollbehörde der ungarischen Regierung ihren Abschlussbericht zur Überprüfung der Privatisierung des Budapester Hauptstadtfl ughafens vorlegen. Hochtief Concessions hatte 2007 für damals knapp 75 Jahre über Hochtief Airport 37,25% der Stimmrechtsaktien an der Betreibergesellschaft erworben.

Der Anteil von Hochtief Airport, der mittlerweile knapp 50% beträgt, steht nun als Teil einer angestrebten Paketlösung für den Verkauf aller Hochtief-Flughafenbeteiligungen zur Verfügung. Neben dem Flughafen Budapest gehören dazu auch die Drehkreuze in Athen, Sydney und Tirana. Bis zum Vorliegen des Abschlussberichts der Budapester Kontrolleure zu dem Privatisierungsvorgang in Ungarn könnten sich dabei nunmehr Verzögerungen ergeben. Vor dem Einstieg von Hochtief war 2005 ein Konsortium unter Führung der britischen BAA aus einem Privatisierungstender als Gewinner hervorgegangen.

Nach der Übernahme der britischen BAA durch ein spanisches Bauunternehmen hatten sich die Iberer von den vorgefundenen BAA-Flughafenengagements getrennt, so dass Hochtief in Budapest zum Zuge kommen konnte. Hochtief musste die Investitionspläne übernehmen, die BAA bei der ursprünglichen Privatisierung vorgelegt hatte. Auch der neue spanische Mehrheitseigentümer bei Hochtief, der Baukonzern ACS, will sich nunmehr von allen übernommenen Flughafenbeteiligungen trennen.

Die Regierung des ungarischen Bürgerbundes (Fidesz) hatte kürzlich in einer Presseerklärung herausgestellt, die Privatisierung des Budapest Airport 2005 sei unverantwortlich gewesen: Der Flughafen habe bis dahin gewinnbringend gearbeitet und sei nach der Veräußerung des knapp 75-prozentigen Anteils - durch die damalige sozialistische Regierung - zu einem Verlustbringer geworden. Dadurch habe der verbliebene Staatsanteil in Höhe von gut 25% nach 2005 erheblich an Wert verloren.

Immerhin hatten sich an die Teilprivatisierung bis zum laufenden Jahr Investitionen in der Größenordnung von 260 Mio EUR angeschlossen. Das Hochtief-Konsortium hat diese Summe vor allem in den Ausbau des neuen Sky Court investiert, den sie zwischen den Terminals 2A und 2B errichtet hat. Fast 40.000 qm Nutzfläche stehen als Folge zusätzlich zur Verfügung, und über 50 neue Abfertigungsschalter wurden eingerichtet.

Trotz dieser Investitionen geht Ungarns Regierung insgesamt gegen private Engagements im Infrastruktursektor vor: So werden seit einigen Monaten zurückliegende Privat- Public-Partnership-Projekte (PPP) in allen Details auf vermutete Unregelmäßigkeiten hin durchleuchtet. Betroffen von diesen Untersuchungen sind neben den beteiligten Unternehmen vor allem die zuständigen Politiker. Auch für die zurückliegenden Defizite im Staatshaushalt sollen die ehemals verantwortlichen Entscheidungsträger persönlich zur Rechenschaft gezogen werden. Zu einer größeren Ausweitung des Budgetdefizits war es allerdings nicht nur unter den sozialistischen Regierungen, sondern auch schon am Ende der ersten Regierungszeit des jetzigen Ministerpräsidenten Viktor Orban zwischen 1998 bis 2002 gekommen.