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Orban plant höhere Abgaben auf Genussmittel

20110913 BUDAPEST (owr)--Den Ungarn stehe der „schwerste Herbst seit langem“ bevor, gab der ungarische Premier Viktor Orban dieser Tage bei einer Rede vor ungarischen Diplomaten bekannt. Da das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr mit 1,5% um die Hälfte niedriger als erwartet ausfallen werde, rechnet die ungarische Regierung mit einem Budgetloch in Höhe von 366 Mio EUR. Um dieses zu stopfen und die „ungarische Souveränität“ zu wahren, will Orban die Steuern auf Glücksspiel, Alkohol und Tabak weiter anheben, berichtet die österreichische Zeitung „Wirtschaftsblatt“. Details dazu gab er bisher noch nicht bekannt.


Orbans bemühte Rhetorik ist nicht überraschend. Seine rechtskonservative Partei Fidesz hatte die Regierungsgeschäfte letztes Jahr mit dem Anspruch übernommen, keine weiteren Steuererhöhungen vorzunehmen. Zum 1. Januar dieses Jahres wurde das Prestigeprojekt Flat Tax eingeführt, das die Einkommen mit einem einheitlichen Steuersatz von 16% belegt. Durch den niedrigeren Steuersatz sollte die Binnennachfrage und somit die ungarische Konjunktur angekurbelt werden, hieß es.


Genau diese Flat Tax bringt die ungarischen Staatsfinanzen jetzt allerdings erheblich unter Druck, so Experten. Im Gegensatz zum bisherigen progressiven Steuersystem von 17 und 32% würden dem Staat durch die Flat Tax 1,8 Mrd bis 3,2 Mrd EUR durch die Lappen gehen, schätzen ungarische Ökonomen. Die Effekte des gesenkten Steuersatzes für höhere Einkommensschichten gehen laut Sandor Richter, Ökonom am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW), ebenfalls gegen Null: „Die Sparneigung ist heute in Ungarn größer als zuvor. Außerdem konsumieren Reiche lieber im Ausland oder lassen Waren importieren - das hilft der ungarischen Wirtschaft also nicht“, so Richter gegenüber der Zeitung.