Staat fördert Wohnungsbau wieder stärker
31.10.2011 BUDAPEST (owr/gtai)--Ab Anfang des kommenden Jahres will
die ungarische Regierung den Erwerb oder Bau einer Wohnung wieder
durch Zinssubventionen fördern. Die Baubranche begrüsst die
Massnahmen, erwartet davon aber noch keine wirklich spürbare
Belebung dieser Bausparte. Sie wiesen aber in die richtige Richtung,
heisst es. Jährlich sollen nur rund 4.000 Haushalte Anspruch auf
diese Hilfen haben. Seit 2009 schrumpfen die Fertigstellungen im
ungarischen Wohnungsbau Jahr für Jahr mit zweistelligen Raten, und
auch in diesem Jahr sind die Genehmigungen kräftig zurückgefallen.
Ministerpräsident Viktor Orban will mit den Kredithilfen für den
Erwerb und Bau von Wohnungen an die Erfolge eines in seiner ersten
Regierungszeit aufgelegten Programms anknüpfen. Es hatte vor allem
bessergestellte, kinderreiche Haushalte beim Wohnungserwerb sehr
wirksam unterstützt. Der Abschaffung des Programms, die in die Zeit
der Wirtschafts- und Finanzkrise fiel, folgte der beispiellose
Einbruch im Wohnungsbau. Wurden in Ungarn in den Jahren 2004 und
2005 noch jeweils über 40.000 Wohnungen gebaut und 2008 noch rund
36.000, waren es 2010 nur noch 21.000. Die erste Hälfte des
laufenden Jahres brachte bei den Genehmigungen dann noch einmal
einen Einbruch um 36%. Die Regierung erwartet, dass 3.000 bis 5.000
Haushalte die Förderungen jährlich in Anspruch nehmen können.
Insgesamt will sie dafür 5,2 Mrd HUF (etwa 17,45 Mio EUR) pro Jahr
bereitstellen.
Vor der Krise hatten nicht zuletzt die sehr zinsgünstigen
Devisenkredite den Wohnungsbau angekurbelt. Durch den Wertverlust
des Forint konnten dann viele Haushalte die Tilgungen nicht mehr
schultern. Auch die laufenden Schuldensanierungen kommen in erster
Linie den finanziell bessergestellten Haushalten zugute, da
praktisch nur sie in der Lage sind, die Möglichkeit der Umschuldung
zu sehr günstigen Bedingungen in Anspruch zu nehmen. Die
Maximalförderung bei den neuen Wohnungsbauhilfen von 2,5 Mio HUF ab
dem 1. Januar des kommenden Jahres erhalten Familien ab vier Kindern
für den Kauf einer Wohnung ab 110 qm. Voraussetzung ist zudem, dass
ein Elternteil seit mindestens einem halben Jahr eine feste Stelle
hat und dass es sich um den ersten Wohnungskauf handelt. Unterstützt
wird - wie es heisst - auch der Kauf einer kleineren Wohnung, wenn
für die grössere alte der Schuldendienst nicht mehr aufgebracht
werden kann.
Zinshilfen gibt es sowohl für den Erwerb und Bau einer neuen Wohnung
als auch für Erwerb und Modernisierung einer Altbauwohnung. Im
letzteren Fall können die Zinssubventionen bis zu 50% des
marktüblichen Zinssatzes betragen, für neue Objekte maximal 70%.
Gefördert werden zudem keine neuen Objekte, die mehr als 30 Mio HUF
oder Altbauten, die mehr als 15 Mio HUF kosten. Auch zu
energetischem Bauen und Sanieren soll durch die Zinssubventionen
angeregt werden. Verlangt werden dürfte, dass die erworbenen oder
gebauten Objekte als Minimum die Effizienzkriterien der sogenannte
B-Klasse gemäss Energiezertifikat erfüllen. Wie gross die latente
Nachfrage nach Dienstleistungen und Produkten im Bereich
energetischen Sanierens und Bauens von Wohngebäuden ist, lässt die
grosse Resonanz nach den hierfür kürzlich ausgeschriebenen
Fördermitteln erkennen. Die Beträge, die dafür bereitstehen, sind
wegen der angespannten Haushaltslage allerdings noch niedrig.
Erika Anders-Clever (gtai)