Budapest führt Schuldenbremse später
ein
8.12.2011 AGP. Ungarn verschiebt die ursprünglich im kommenden Jahr
geplante Einführung der Schuldenbremse. Das Vorhaben werde erst im
Jahr 2016 umgesetzt, erklärte der ungarische Wirtschaftsminister
György Matolcsy am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Budapest.
Für die Erstellung der Haushalte würden aber weiter die mit der
Europäischen Union vereinbarten Konvergenzkriterien gelten, fügte
der Minister hinzu. „Wir bauen unsere Schulden schneller und
disziplinierter ab als die (Länder der) Eurozone“, sagte Matolcsy.
Der Politiker hatte am Montag im Parlament ein sogenanntes
Stabilitätsgesetz eingebracht, das die Einführung der Schuldenbremse
– das Verbot einer inflationsbereinigten Defiziterhöhung im
jeweiligen Staatshaushalt – erst ab 2016 vorsieht. Die im Frühjahr
verabschiedete und zur Jahreswende in Kraft tretende neue Verfassung
beinhaltet die Einführung der Schuldenbremse im Prinzip ab 2012.
Ungarn sieht sich allerdings grösseren wirtschaftlichen
Schwierigkeiten gegenüber, als die konservative Regierung von
Ministerpräsident Viktor Orbán bis vor kurzem eingestehen wollte. Am
Mittwoch räumte Matolcsy erstmals öffentlich ein, dass die
bisherigen Wachstumsprognosen, die dem Budgetentwurf für 2012
zugrunde liegen, nicht zu halten seien. An dem Haushaltsentwurf, der
dem Parlament zur Billigung vorliegt, werde er noch „kleine
Korrekturen sowohl einnahmen- wie auch ausgabenseitig“ vornehmen.
Die Budapester Regierung geht im nächsten Jahr nicht mehr, wie im
derzeitigen Budgetentwurf angesetzt, von einem Wachstum von 1,5
Prozent des BIP aus, sondern nur mehr noch von einem Plus von 0,5
bis 1 Prozent, sagte Matolcsy. Unabhängige Beobachter befürchten
Presseberichten zufolge allerdings sogar, dass die ungarische
Volkswirtschaft in eine Rezession abgleiten könnte.